Die Heilkunde, welche von der Äbtissin entwickelt wurde, basiert insgesamt auf fünf Säulen. Mit deren Hilfe sollen Krankheiten nicht nur geheilt, sondern vor allem vorgebeugt werden. Denn nach Hildegard von Bingen ist ein Mensch nur dann gesund, wenn seine vier Körpersäfte in einem richtigen Verhältnis zueinander stehen.
Seelisches Gleichgewicht steht hierbei an erster Stelle. Um dieses zu erlangen, ist es unerlässlich, jeglicher Form von Laster zu entsagen und seine Tugend zu stärken. Darüber hinaus sollte der Mensch stets die Ehrfurcht vor Gott und der Schöpfung bewahren.
Wichtig ist es nach Hildegard von Bingen auch, feste Regeln und einen stets wiederkehrenden Rhythmus einzuhalten. Hierunter fällt auch der regelmäßige Wechsel von Aktivität und Ruhe sowie das Einhalten von Schlaf- und Wachzeiten.
Ein weiterer Bestandteil einer gesunden Lebensführung ist eine maßvolle sowie ausgewogene Ernährung. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei heimische Kräuter und Gewürzen zu. Dinkel beispielsweise wird von der Ordensfrau als ein Grundnahrungsmittel empfohlen und Gewürze und Kräuter wie Fenchel, Ingwer oder Bertram finden häufig in ihren Rezepten Anwendung.
Bestandteil der vierten Säule ist die Heilkraft von Edelsteinen und Mineralien. Denn laut Hildegard von Bingen lassen sich in der Natur überall Heilmittel finden, mit deren Hilfe Krankheiten wirkungsvoll bekämpft werden können. Wertvolle Helfer hierbei sind beispielsweise die Heilkräuter Ringelblume, Schafgarbe und Brennnessel.
Auch Ausleitungsverfahren spielen in der Heilkunde nach Hildegard von Bingen eine wichtige Rolle. Denn bei einer gesunden Darmflora kommt es seltener zu Verdauungsbeschwerden, der Organismus ist entschlackt und frei von schädlichen Krankheitserregern. Als wirksame Verfahren preist die Äbtissin hier Fasten, Aderlass sowie das Schröpfen an.
Biographie der Hildegard von Bingen
Die weithin bekannte Ordensfrau ist auch heute noch eine einzigartige Erscheinung der deutschen Geschichte. Bereits zu ihren Lebzeiten wurde die Universalgelehrte als „Botschafterin Gottes“ verehrt. Bemerkenswert ist überdies ihr umfangreiches schriftstellerisches Werk, welches von theologischen Schriften über Gedichte und Lieder zu medizinischen Büchern reicht.
Sie wurde im Jahre 1098 als zehntes Kind eines Adeligen in Bermersheim bei Alzey geboren. Bereits im Alter von acht Jahren wurde sie von ihren Eltern in die Obhut der Ordensfrau Jutta von Sponheim gegeben, welche auf dem Disibodenberg für die geistliche Erziehung der jungen Hildegard Sorge tragen sollte. Dort legte Hildegard mit 15 Jahren die heiligen Gelübde ab und wurde Benediktinerin. Mit 38 Jahren trat sie die Nachfolge ihrer Förderin Jutta von Sponheim an.
Vier Jahre später hatte Hildegard von Bingen ihre erste göttliche Vision. In dieser wurde ihr der Auftrag erteilt, alles zu verkünden und zu dokumentieren, was ihr während dieser sowie nachfolgenden göttlichen Erleuchtungen offenbart würde. Im Zuge dessen entstanden zahlreiche Schriftwerke. Diese Sehergabe der Äbtissin wurde auch durch eine päpstliche Kommission bestätigt, Hildegard von Bingen erlangte dadurch weitreichende Berühmtheit. Sie korrespondierte mit den Mächtigen ihrer Zeit und besaß einen großen Einfluss. Nach einem langen und erfüllten Leben starb sie 1179 im Alter von 81 Jahren. Sie wurde auf dem Rupertsberg bei Bingen beigesetzt.
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