Probiotische Ernährung

Immer häufiger taucht der Begriff Probiotika auf. Doch was verbirgt sich dahinter? Was sind probiotische Lebensmittel und wozu sollen sie gut sein? Die Vokabel Probiotika stammt aus dem Griechischen, formierte sich bereits in den 60er Jahren und setzt sich aus den Silben für „pro“ (für) und „bios“ (Leben) zusammen. Frei übersetzt bedeutet Probiotika demnach „für das Leben“. Probiotika sind nichts anderes als Mikroorganismen, die – lebend verzehrt – positive Eigenschaften für unsere Gesundheit, insbesondere der Darmflora haben. Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts ist durch den Kinderarzt Theodor Eschereich bekannt, dass Darmbakterien nicht nur schädlich, sondern auch sehr nützlich für den Menschen sind. Das bedeutendste Darmbakterium trägt seinen Namen: Escherichia coli. Anfang des 20. Jahrhunderts haben die Wissenschaftler Metschnikow und Paul Ehrlich den Nobelpreis für Medizin und Physiologie für die weitere Erforschung von Milchsäurebakterien in Verbindung mit unserer Darmflora erhalten. Sie stellten fest, dass beim Genuss von Lebensmitteln, wie etwa Joghurt oder Kefir, die Lactobacillenanzahl sich im Darm erhöht, was der Gesundheit und damit der Lebenserwartung zuträglich ist. Diese Erkenntnis gilt bis heute.

Probiotika werden heute zahlreichen Nahrungsmitteln wie beispielsweise Margarine, Buttermilch, Käse, Sauerkraut und Joghurt zugesetzt. Doch sind Probiotika auch als Pulver, Dragees oder Tabletten erhältlich. Diese künstlich hergestellten Probiotika haben einen großen Vorteil. Sie passieren ungehindert den Magen und entfalten erst im Darm ihre volle Wirkung. Im Darm siedeln sich Abermillionen verschiedener Arten und Formen von Bakterien an. Etwa 25 Prozent dieser von der Darmoberfläche bewohnten Bakterien bildet so etwas wie ein Immungewebe, wird in der Fachmedizin als Galt (gut associated lymphoid tissue) bezeichnet und gilt als das „Immunorgan“ des Körpers überhaupt. Immerhin machen die in unserem Darm befindlichen Bakterien ein Körpergewicht von knapp eineinhalb Kilogramm aus. Da sehr unterschiedliche „gute und böse“ Bakterien den Darm besiedeln, ausgebreitet hätte das Gedärm in etwa die Größe eines Sportspielfeldes, sorgen die nützlichen Mikroorganismen dafür, dass die schädlichen keine Oberhand gewinnen können. Die „Guten“ bilden dabei, sehr einfach erklärt, im Verdauungstrakt antibakterielle Stoffwechselprodukte und hemmen damit das Wachstum der schädlichen Bakterien, so dass im gesunden Darm in der Regel eine gesunde Balance vorhanden ist.

Bei der Einnahme von Probiotika, meist zugesetzt in Milchprodukten, gelangen so weitere gesunde Keime in den Darm. Warum Probiotika diese nachweislich gesundheitsförderlichen Eigenschaften haben, ist bisher noch nicht eindeutig wissenschaftlich geklärt. Vermutlich werden aber durch den Anstieg zusätzlich eingenommener Probiotika die schädlichen Bakterien schneller und wirkungsvoller dezimiert. Schon seit langer Zeit ist bekannt, dass die Einnahme von Probiotika bei Durchfallerkrankungen heilungsfördernd ist und sogar bei regelmäßiger Einnahme dieser vorbeugen kann. Besonders, wenn ein Urlaub im Ausland geplant ist, können Probiotika hier vorbeugen und lästige Diarrhoeerkrankungen erheblich mildern. Auch im Zusammenspiel mit der Einnahme von Antibiotika und deren Begleiterscheinungen, wie Durchfall, Sodbrennen, Blähungen und Übelkeit, ist die Wirkung der Milchsäurebakterien in der Regel sehr effektiv.

Nur ein kleiner Teil der Menschheit verträgt Probiotika nicht. Warum das so ist, ist bisher nicht genau bekannt. Es empfiehlt sich daher, die Wirkung einfach auszuprobieren. Probiotika spielen aber nicht nur bei der Linderung oder Vorbeugung von Durchfallbeschwerden eine gesundheitsfördernde Rolle. Das gesamte Immunsystem wird generell gestärkt, denn einige Probiotika wirken auf den Darm als solchen, die anderen eher auf das Immunsystem. Man hat in der Medizin gerade bei kleinen Kindern mit Neurodermitis oder Allergien festgestellt, dass Probiotika einen erheblichen Linderungs- und Heilungseffekt haben, ja sogar bis zu 50 Prozent, je nach Krankheitsart, diese reduzieren kann. Patienten, die unter Morbus Bechterew oder schwerer Pankreatitis leiden, sollten allerdings auf die Einnahme von Probiotika verzichten. Studien haben gezeigt, dass die Wirkung dann eher kontraproduktiv ist.

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